Gastbeitrag der Bürgerinitiative Klein Leuthen bewahren

Seit Herbst 2016 planen zwei Hobby-Piloten aus Berlin die Einrichtung einer privaten Start- und Landebahn für Sportflugzeuge  in Groß Leuthen — in unmittelbarer Ortslage, nur wenige Schritte entfernt vom Eurocamp „Spreewaldtor“  und dem Landschaftsschutzgebiet Groß Leuthener See / Dollgensee.Einer der Antragsteller ist in Luftfahrtkreisen kein Unbekannter: Elmar Kleinert war seinerzeit Betriebsleiter des Berliner Flughafens Tegel. Heute ist er Geschäftsführer des Flughafens Bremen, der nach Medienberichten kurz vor der Insolvenz steht.Dies rief die Presse auf den Plan, denn die Antragsteller behaupten einerseits, sie wollen die Piste maximal 300 mal im Jahr für ihr Privatvergnügen nutzen. Andererseits hatten sie großspurig Rundflüge und Oldtimertreffen angeboten. Spekuliert wurde auch, der Flughafen-Chef wolle künftig mit seiner Maschine zur Arbeit fliegen. Der wies das empört zurück. Doch im August 2019 berichtete die BILD, dass Herr Kleinert genau so seinen neuen Arbeitsplatz in Bremen erreiche: mit seiner Piper an jedem Stau vorbei.2017 kam es zunächst nicht zur Genehmigung des Flugplatzes Groß Leuthen. Das wilde Verfahren wurde durch das Landesumweltamt gestoppt, nachdem in unmittelbarer Nähe der Start- und Landebahn der Horst eines Fischadlers entdeckt worden war. Diesen hatten die Antragsteller schlicht „übersehen”. Umweltschützer wiesen auf weitere Gefahren für die geschützte Flora und Fauna hin, während die Betreiber des naturnahen Campingplatzes um ihre Existenz bangten.Es gibt allerdings auch Unterstützer des Flughafentraums, unter Ihnen die Bundestagsabgeordnete der SPD Sylvia Lehmann. Sie erhoffen sich ein Spektakel, an dem gerade auch die Kinder ihren Spaß hätten. “Endlich mal was los hier!”, sagen sie. Das Verfahren ruhte bis November 2020 um dann mitten in der Corona-Pandemie unter starkem Zeitdruck wiederbelebt zu werden. Der Zeitdruck erklärt sich womöglich aus dem in der Zwischenzeit transparent und demokratisch erarbeiteten und nun kurz vor Vollendung stehenden Gemeindeentwicklungskonzept, in dem für Groß Leuthen viele Entwicklungspotentiale in den Bereichen Wohnen, Tourismus und Naturschutz erkannt werden – aber kein Bedarf für einem Flugplatz. Problematisch für die Flieger wäre es auch, wenn es der Gemeinde gelingt, den Ort wieder an das öffentliche Schienennetz anzuschließen. Die Gemeinde beteiligt sich dazu an einer Machbarkeitsstudie. Der Flugplatz allerdings liegt genau an der alten Bahnstrecke und man darf sich fragen, welche Transportart zukunftsfähiger ist: das Privatfliegen für wenige oder der Eisenbahnverkehr für viele.Die Antragsunterlagen stehen bis zum 25. Januar 2020 zur Einsichtnahme bereit, auch auf den Internetseiten der Oberen Luftfahrbehörden der Länder Berlin-Brandenburg. Jeder Betroffene Bürger hat das Recht, der Behörde bis zum 8. Februar 2021 Bedenken und Anregungen zu übermitteln. Anlass dafür gibt es genug, denn der Antrag ist unvollständig, unbegründet und in sich widersprüchlich. So gibt es weder das dort genannte „Recht auf ein Hobby”, noch ist der Staat verpflichtet, Hobbypiloten die Möglichkeit zur Ableistung von Pflichtflugstunden zu ermöglichen. Auch haben die Antragsteller bislang kein Problem damit, diese Pflichtstunden zu erbringen und ihre Flugzeuge an etablierten Flugplätzen unterzustellen (auch das zwei an den Haaren herbeigezogene Antragsgründe). Diese Flugplätze sind von Groß Leuthen aus in rund einer Stunde zu erreichen, was eine zumutbare Reisezeit für ein exklusives Hobby ist, wenn man bedenkt, dass der Antragsteller Kleinert zu seiner Arbeitsstelle bis nach Bremen reisen muss – gern mal mit der eigenen Piper, wie berichtet.  Aber diese Reisen kosten Zeit und Geld, die die Antragsteller offenbar nicht haben. Für ihre Graspiste in Groß Leuthen zahlen sie lediglich eine Pacht von 192 Euro im Jahr. Der Grund gehört dem Land Brandenburg – ein Schelm, der Böses dabei denkt.Doch es gibt auch Angebote der Flieger: Sie wollen die Anzahl der Starts und Landungen deckeln, allerdings ist im Antrag einmal von 150 Starts und Landungen die Rede (also 300 Flugbewegungen), an anderer Stelle sind es 300 Starts und Landungen, also 600 Flugbewegungen. Während der Brut- und Aufzuchtszeit von Wildvögeln wollen sie ihren Flugplatz nur von Süden Anfliegen. Sie kommen dann über den neuen Einkaufsmarkt, schlängeln sich an zwei Funkmasten vorbei und erreichen über der Straße zum Campingplatz eine Höhe von nur 7,5 Metern. Wie sie den Rest des Jahres Groß Leuthen anfliegen wollen, wird geheim gehalten – die Pläne im Antrag zeigen nur die gefährliche Südroute, durch die man auch in Gröditsch viel Spaß haben wird, den Piloten bei ihrem Hobby zuzuhören. Doch der “Spaß” geht noch weiter: Mit Zulassung des Flugplatzes fällt halb Groß Leuthen und große Teile der umliegenden Gemeinde unter das Regime des Luftverkehrsgesetzes und das schreibt u.a. vor, dass für alle Bauanträge einen Genehmigungsvorbehalt der Luftfahrtbehörde besteht. Wer also künftig im Umkreis von 1,5 km um den Flugplatz eine Garage bauen oder ein Dachfenster einsetzen will, muss die Baupläne um Höhenangaben ergänzen und bei der Luftfahrtbehörde einreichen. Bei Bauwerken ab einer Höhe von 25 Metern vergrößert sich die Sperrzone auf 4 Kilometer. Die Zusatzkosten die leicht 1000 Euro pro Antrag betragen können, trägt der Bürger. Niemand wird unter diesen Umständen künftig ernsthaft erwägen, sich in Groß Leuthen anzusiedeln oder vorhandene Gebäude auszubauen (abgesehen von Schallschutzfenstern vielleicht). Die Ansätze des Ortsentwicklungskonzepts, lösen sich sprichwörtlich in Luft auf. Die Grundstückspreise und der Wiederverkaufswert von Bestandsimmobilien werden ins Bodenlose fallen. Ein Dorf unterwirft sich dem Freizeitspaß zweier Piloten. Am 18. November, nur vier Tage nach Veröffentlichung der Antragsunterlagen, hat sich der mit Laien besetzte Ortsbeirat von Groß Leuthen für eine Genehmigung des Flugplatzes ausgesprochen, wenn auch unter Bedingungen (z.B. Verzicht auf Überflug von Campingplatz, Landschaftsschutzgebiet und See). Am 14. Januar 2021 ist der Bauausschuss der Gemeinde diesem Votum gefolgt.Am 18.01.2021 gab der Hauptausschuss der Gemeinde das Schicksal Groß Leuthens und seiner Bürger mit einem “Ja” zum Flugplatz vollends aus den eigenen Händen. Es obliegt nun der Oberen Luftfahrtbehörde und letztlich den Gerichten, über die Zukunft des Ortes zu entscheiden. Den Preis zahlen die Bürgerinnen und Bürger.

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