Die artenschutzrechtlichen Untersuchungen in den Antragsunterlagen basieren auf der Annahme, dass ein Flugbetrieb ausschließlich in südliche Richtung erfolgen würde. Allein aus diesem Grund ist das artenschutzrechtliche Gutachten ungeeignet.  

Zudem sind die vom Gutachter unterstellten Annahmen teilweise nicht nachvollziehbar. Für den Flugzeugtyp Piper PA 18 „95″ wird die beste Steiggeschwindigkeit mit 75 mph angegeben, die Reisegeschwindigkeit (75 % Leistung) mit 115 mph und die empfohlene Gleitgeschwindigkeit für Anflug und Landung mit 70 mph (Betriebs- und Wartungshandbuch Piper PA 18, bearbeitet von Dipl.-Ing. Herbert Gielen). Alle Werte liegen damit deutlich über den vom Gutachter angenommenen 90 km/h (ca. 56 mph).

Damit sind aber auch die gutachterlichen Ausführungen zur Immissionsbetroffenheit der Avifauna und dem Störungs- und Tötungsrisiko hinfällig.

Zudem zeigt sich auch hier wieder die Widersprüchlichkeit der Antragsunterlagen. Nach der Artenschutzunterlagen vom 26.04.2018 soll eine Flughöhe von 150 Metern in unmittelbarer Nachbarschaft zum Horststandort Nr. 4 erreicht werden (Abbildung auf Seite 7, außerhalb des 300 m Radius um den Horst). Nach der Platzdarstellungskarte vom 27.09.2018 dürfte hier aber allenfalls eine Höhe von 50 Metern erreicht sein. Selbst wenn man unterstellt, dass die Höhenangaben in der Abbildung der Artenschutzunterlagen sich auf die Höhe über NHN beziehen würden, ergibt sich hier noch eine Differenz von 50 Metern.

Zudem unterstellt die Artenschutzunterlage eine abweichende Flugroute, die unmittelbar nach dem Ende des Sonderlandeplatzes bereits nach Westen abknickt, was auch mit Blick auf die Flugsicherheit ausgeschlossen sein dürfte, während die Platzdarstellungskarte von einem deutlich längeren geraden Abflug ausgeht.

Folglich ist davon auszugehen, dass das die Untersuchungen zum Artenschutz hinsichtlich der Avifauna von falschen Voraussetzungen ausgehen. Dies gilt in besonderem Maße, wenn ein An- und Abflug in nördliche Richtung nicht ausgeschlossen werden kann.

Schließlich ist auch die gutachterliche Einschätzung zu bezweifeln, dass die Vergrämungseffekte des Flugbetriebs nur kleinräumig und temporär sind. Zu Recht stellt der Gutachter fest, dass es sich um eine extensiv genutzte Grünlandfläche handelt. Dieser kommt aber gerade mit Blick auf die im Übrigen intensiv bewirtschafteten Landwirtschaftsflächen in der Umgebung eine besondere Bedeutung.

Im Artenschutzbeitrag vom 23.05.2017 gelangt der Gutachter zu der Einschätzung, dass das Landschaftsbild vorbelastet wäre. Worin diese Vorbelastung besteht und wie sich daraus eine geringere Schutzwürdigkeit des Landschaftsbildes ableiten lassen soll, wird aber nicht näher ausgeführt. Dementsprechend kann auch die gutachterliche Würdigung, dass insoweit kein Konfliktpotential besteht, nicht nachvollzogen werden.

Welchen qualitativen Aussagewert die vom Gutachter behauptete positive Grundstimmung für den Landeplatz im Rahmen einer artenschutzfachlichen Betrachtung haben soll, bleibt offen, zumal Angaben zur Methodik, der konkreten Fragestellung und zum Kreis der befragten Personen fehlen.

Der Artenschutzbeitrag wurde oberflächlich unter Missachtung der tatsächlichen Verhältnisse verfasst. Diverse Arten wurden nicht gesehen oder bewusst nicht erwähnt. Neben dem Landplatz befindet sich ein Bahndamm mit Hecken und einzelnen Bäumen darin leben Zauneidechsen und diverse Vogelarten. Westlich neben dem Bahndamm befinden sich zwei Gräben mit Heckenbewuchs. An den Seitenstreifen des Bahndamms und parallel der Gräben findet keine Bewirtschaftung statt. Hier leben Amphibien und diverse Vogelarten.

Am Bahndamm und in den westlichen Feldflächen werden vom Verfasser und anderen Ortsansässigen seit etwa 20 Jahren immer wieder Rebhühner beobachtet. (Siehe Fotos) Der Bewuchs am Bahndamm und den westlichen Feldflächen ist für Rebhühner interessant, weil sie dort Deckung finden und weil dort regelmäßig, zwischen den Teilflächen wechselnd, Sonnenblumen angebaut werden.

In den geradlinigen Verlängerungen der geplanten Landebahn befinden sich nach Norden und Süden Horste von Fischadler und Wanderfalken. (Siehe Platzdarstellungskarten des Büro Siegfried Bindig) Deshalb soll der An- und Abflug über eine süd-westliche Kurve zwischen den Funkmasten und über belebte Einkaufsmärkte erfolgen. Im gesamten Umfeld befinden sich mehrere Landschaftsschutzgebiete und Naturschutzgebiete. In Bückchen, Gröditsch und Groß Leuthen brüten mehre Weißstörche. In Gröditsch wurde mehrfach ein Schwarzstorchenpaar beobachtet.

Auf den Feldflächen rund um die geplante Landebahn rasten und äsen regelmäßig Kraniche. Die Kraniche kommen in der gesamten Lage zwischen den Orten Gröditsch, Groß Leuthen und Bückchen vor. Sie brüten und äsen hier. Über die Orte und über die geplante Landebahn ziehen regelmäßig große Flüge von Gänsen und Kranichen.

An der geplanten Landebahn und den benachbarten Feldflächen werden regelmäßig folgende Arten beobachtet: Mehrere Rotmilane, Bussarde, Wiesen-Weihen, Wiedehopf, Uhu, Raubwürger. Im nahen Teufelsluch brütet ein Seeadlerpaar.

Auf den westlichen Feldflächen haben zahlreiche Rehe ihren regelmäßigen Einstand. Hier werden im Winter Rehwild-Sprünge von über 30 Stück beobachtet. Selbst auf der geplanten Landebahn äst das Rehwild.

Der vorliegende Artenschutzbeitrag benennt die zuvor aufgezählten Arten höchst unvollständig. Der Beitrag geht nicht auf den Lebensraum entlang des Bahndamms und auf den Feldflächen ein. In den alten Bahnhofsgebäuden und den Schuppen entlang des Bahndammes.

Auch auf die Kürzung des Waldstückes im südlichen Bereich des Sonderlandeplatzes gibt es keine Waldumwandlungsgenehmigung. Hier sind zudem, die Eigentumsverhältnisse des Waldstückes unklar.

 

Für den Eingriff einer Sonderlandebahn werden keine Ausgleichsmaßnahmen getroffen

Im Artenschutzbericht werden keine Eingriffs- und Ausgleichmaßnahmen behandelt. Unter dessen erfolgt auch keine Bilanzierung.

Schließlich ist darauf hinzuweisen, dass im Bereich der Neuen Straße der Mindestabstand zwischen dem Lichtraumprofil der Straße und der Überflughöhe nicht eingehalten werden kann. Nach Nr. 3 S. 1 der Richtlinien über die Abstände zwischen Straßen und Flugplätzen muss diese bei einem Landeplatz für Flugzeuge mit einer Mindestgrundlänge der Start und Landebahn vom 300 Meter 15 Meter betragen. Nach der Platzdarstellungskarte beträgt die Flughöhe in jenem Bereich, in dem die Neue Straße die An- und Abflugfläche schneidet unter 15 Meter, der Abstand zum Lichtraumprofil fällt dementsprechend noch geringer aus. Zur Erhöhung der Sicherheit des Straßenverkehrs sind nach Nr. 5 S. 1. Der Richtlinie die Sichtverhältnisse von der Straße nach Möglichkeit so zu gestalten, dass Straßennutzer die Flugzeuge frühzeitig erkennen können. Dies ließe sich vorliegend aber nur erreichen, indem der alleeartige Baumbestand entlang der Straße beseitigt wird. Ein solcher Eingriff darf sich indes nicht rechtfertigen lassen.